Die Frühzeit

Die zweite Epoche der laharischen Geschichte überlappt etwas mit der schriftlosen Zeit, da das Prinzip der Schrift sich nicht gleichzeitig überall durchsetzen konnte.

Die Frühzeit beginnt daher etwa 1200, als die Sing im Anassaquellgebiet ihre Schrift entwickelten, als das Ende der Frühzeit wird meist der Fall von Seschtwe im Jahre 2551 angesehen.

Geprägt ist die Frühzeit vor allem durch die drei frühen Hochkulturen Anassita, Sepula und Seschtwe, aber auch weitere, kleinere oder weniger bedeutende Hochkulturen hatten ihren Einfluss auf die Geschichte ihrer Regionen.

Die Sing

Im Quellgebiet des Anassatals beginnt die Frühzeit bereits um 1200, als die Sing ihre, zunächst ausschließlich kultisch verwendete, Schrift entwickelten. Allerdings ist über die Sing nur sehr wenig bekannt, auch wenn sie gegen Ende ihrer Zeit sehr weit gehandelt haben. Scherben von Tontöpfen, die in der bogenreichen Schrift der Sing beschriftet sind, lassen sich überall auf der Insel finden. Etwa 1500 ging die Kultur der Sing aus unbekannten Gründen unter.

Beim Vatersturz 7194 stürzten große Teile des Anassaquellgebietes ins Meer, sodass kaum mehr neue Erkenntnisse über die Sing gewonnen werden können.

Ein verbleibendes Bauwerk der Sing ist die so genannte Totenpforte, ein verschlossenes doppelflügeliges Tor in einer Felswand der Windspitzen, hinter dem sich allerdings nur fester Fels befindet. Der tatsächliche ursprüngliche Zweck des Tors ist zwar unbekannt, die Einwohner der nahegelegenen Ortschaft Tyagan, was übersetzt Pforte bedeutet, sind aber überzeugt, dass es für die Sing einen Weg ins Totenreich darstellte.

Rwel und Kysri

Etwa zur selben Zeit wie die Kultur der Sing existierte an der Ostküste der Insel der Stadtstaat Rwel. Überliefert ist, dass es viele Königinnen gab, dabei handelte es sich aber wohl nur um Sippenführerinnen.

In Rwel wurde um 1400 die erste weit verbreitete Schrift erfunden, Rwel handelte mit allen Gegenden der Insel, als die Sing sich noch auf rein kultische Beschriftungen beschränkten.

Kultische Verwendung der Schrift in Rwel lässt sich nicht nachweisen, auch sind keinerlei Namen überliefert und in Erzählungen wurden die Personen sorgfältig anonymisiert. Dies legt nahe, dass die später in Sepula vertretene Überzeugung, die Schrift enthalte die Seele, in ähnlicher Form bereits in Rwel üblich war.

Rwel wurde in seiner Bedeutung etwa um 1600 vom benachbarten, kulturell sehr ähnlichen Stadtstaat Kysri friedlich abgelöst, etwas später wurden die beiden Staaten auch vollständig vereinigt, wahrscheinlich um sich gegen das zukünftige Reich Sepula besser verteidigen zu können.

Dennoch wurde Kysri, und damit auch die Stadt Rwel, nach dem großen Erdbeben der Frühzeit 1998 von Sepula erobert.

Anassita

Im ebenen Teil des Anassatals entwickelte sich die Anassita-Kultur, die ab etwa 1500 massiv an Bedeutung gewann. Wenngleich dies etwa zeitgleich zum Untergang der Sing stattfand, besteht wahrscheinlich kein direkter Zusammenhang.

Anassita gilt als die früheste Hochkultur mit profanen Großbauwerken. Die Stadt Anassita selbst verfügte dank des Anassita-Aquädukts über fließendes Wasser auch in höheren Stockwerken, vermutlich in sämtlichen Gebäuden. Auch die umliegenden Ortschaften verfügten über ähnliche Annehmlichkeiten.

Anassita wurde von Königen und Königinnen beherrscht, wobei hier tatsächlich einzelne Herrscher gemeint sind, die aufeinander folgten. Wie die Erbfolge geregelt war ist nicht klar, aber Verwandtschaft spielte wohl nur selten eine Rolle.

Das große Erdbeben der Frühzeit, das 1998 den Aquädukt zum Einsturz brachte, und die Missernten der folgenden Dürrejahre führten Anassita in einen Bürgerkrieg und schließlich wurde Anassita von den benachbarten Staaten erobert.

Sepula

Bereits seit etwa 1700 existierte Sepula nachweislich als Stadtstaat an der laharischen Ostküste, ab 1800 gewann es massiv an Bedeutung, wahrscheinlich aufgrund militärischer Überlegenheit. Das große Erdbeben der Frühzeit traf Sepula kaum, allerdings seine Nachbarn umso mehr, was die schnelle Eroberung derselben erlaubte.

Dafür, dass Sepula verschont wurde, wurde der als Göttin verehrten sepulanischen Kaiserin gedankt, dies führte auch dazu, dass die eroberten Nachbarn die neue Religion bereitwillig annahmen.

Die Kaiserin duldete der Überlieferung nach keinen Mann und auch keine Frau im Begriff der Wandlung in ihrer Nähe und wandelte sich dennoch nicht selbst in einen Mann. Tatsächlich muss wohl damals schon den Kaiserinnen klar gewesen sein, dass die Wandlung durch den Geruch von männlichem Schweiß gehemmt wird.

Nachfolgerin einer Kaiserin wurde eine ihrer Töchter, wobei hier wohl entweder keine leibliche Verwandtschaft bestand oder die Kaiserinnen ihre Schwangerschaften gut zu verbergen wussten. Zweiteres ist allerdings äußerst unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass die Schwangerschaft einer Raval fast zwei Jahre dauert.

Die Schrift wurde in Sepula fast ausschließlich zu profanen Zwecken gebraucht, da man glaubte, wenn man mehr als reine Fakten und Zahlen schriebe, würde die eigene Seele auf das Geschriebene übergehen, somit hätten Fremde Macht über die eigene Seele.

Allerdings haben Mitglieder des kaiserlichen Hofes Erzählungen aus dem eigenen Leben niedergeschrieben und in speziellen Fächern in den Tempeln versiegelt. Dies diente der Konservierung der Seele, die dem Glauben nach ansonsten mit dem Tod zerstört würde.

Das Leben in Sepula war von religiösen Ritualen geprägt und über Jahrhunderte sicher und friedlich. Erst ab 2250 gab es Probleme mit dem expansiven Nachbarn Naesta, der Sepula schließlich 2287 zu Fall brachte und die Sepulaner versklavte.

Liaddr

Ab 1900 ist im mirantischen Becken im heutigen Varisaland sowohl oberhalb als auch unterhalb der der Seeoberfläche die Hochkultur von Liaddr überliefert. Diese Kultur war von einer Priesterkaste beherrscht aber religiös sehr offen. Unzählige Statuen und Kunstgegenstände sind aus dieser Zeit erhalten. Die Landwirtschaft war detailliert geplant und die gut bewässerten Felder des mirantischen Beckens konnten die Hungersnöte, die aufgrund der Dürren nach dem großen Erdbeben der Frühzeit 1998 drohten in vielen anderen Gegenden lindern.

Liaddr verlor vor 2400 wieder an Bedeutung, existierte aber noch mindestens weitere zweihundert Jahre friedlich weiter. Danach gehörte das mirantische Becken zu Airinku.

Igwa, Khut und Melln

Diese drei Staaten waren Nachbarn von Anassita im Norden und Osten, die drei Könige waren jeweils mehrfach verschwägert und die Staaten somit in einem Blutbündnis. Wie Sepula und Liaddr waren Igwa, Khut und Melln von den Dürrejahren nach dem großen Erdbeben der Frühzeit 1998 kaum betroffen, sie eroberten das durch Erdbeben, Dürre und Bürgerkrieg geschwächte Anassita mit Leichtigkeit.

Die Vorherrschaft der drei Staaten innerhalb des Bundes wechselte gelegentlich. Zu Anfang war es eher Igwa, später kurzzeitig Khut und ab 2389 dann Melln. Letztere Vorherrschaft ist vor allem der Eroberung des südöstlichen Nachbarns Naesta geschuldet, wobei Melln allerdings Unterstützung vom östlichen Nachbarn Seschtwe hatte.

Zu Zeiten der Vorherrschaft von Melln konkurrierte der Bund dann allerdings sehr stark mit Seschtwe, ein versprochenes Bündnis kam nicht zu Stande und 2551 schließlich wurde Seschtwe vom Bund aus Igwa, Khut und Melln aus dem Westen sowie Airinku aus dem Süden in einem Zweifrontenkrieg besiegt, was den Beginn der Splitterzeit darstellte.

Igwa, Khut und Melln zersplitterten wenig später in ihre Einzelstaaten, verloren ihre abhängigen Gebiete und versanken nach weniger als hundert Jahren in Bedeutungslosigkeit.

Seschtwe

Ab etwa 2120 gewann der Staat Seschtwe im niederen Dilnotal an Bedeutung. Beherrscht von einigen mächtigen und magisch gut ausgebildeten Familien war es dort für einen gewöhnlichen Bewohner nicht überaus angenehm zu leben, die herrschende Klasse allerdings schuf bildhauerische Kunstwerke, wie es sie zuvor noch nicht gab.

Die mächtigen Familien wechselten gelegentlich, das Herrschaftsprinzip blieb allerdings über fünf Jahrhunderte gleich.

Beginnend etwas vor 2300 hatte Seschtwe immer wieder Grenzstreitigkeiten mit dem südwestlichen Nachbarn Naesta. Seschtwe unterstützte dann Melln darin, 2389 diesen missliebigen Nachbarn zu erobern, das von Melln versprochene Bündnis kam allerdings nicht zu Stande. Eineinhalb Jahrhunderte später war der Gefallen dann völlig vergessen und die drei Stadtstaaten von Westen aus und Airinku von Süden aus besiegten Seschtwe 2551 in einem Zweifrontenkrieg.

Die mächtigen Familien von Seschtwe flohen in alle Gegenden der Insel, der Staat Seschtwe zersplitterte. Dies gilt als das Ende der Frühzeit und der Beginn der Splitterzeit.

Naesta

Dieser Staat war wohl hauptsächlich militärisch präsent, ansonsten aber sehr abgeschottet. Kulturelle Hinterlassenschaften sind eher selten und finden sich fast ausschließlich im damaligen Staatsgebiet von Naesta.

Durch häufige Expansionsversuche war Naesta ab etwa 2300 bei seinen Nachbarn, Igwa, Khut und Melln im Westen und Seschtwe im Norden, nicht gerade beliebt.

Mit Unterstützung durch Seschtwe eroberte Melln Naesta 2388 schließlich.

Airinku

Ab etwa 2500 war der junge Wüstenstaat Airinku von zunehmender Bedeutung. Die Bewohner von Airinku waren Nomaden, was bei den Hochkulturen der Frühzeit eine Ausnahme darstellt. Militärisch war Airinku eher wenig expansiv, verteidigte sich aber stets erfolgreich und schlug auf Angriffe von außen üblicherweise auch hart zurück.

Kunst und Kultur waren sehr wichtig, in Airinku wurde beispielsweise die erste Notenschrift entwickelt und es sind tausende Lieder überliefert.

Schon 2251 besiegte Airinku gemeinsam mit Igwa, Khut und Melln den nördlichen Nachbarn Seschtwe, was als Beginn der Splitterzeit gilt.

In der Splitterzeit gewann Airinku weiter an Bedeutung und war über lange Zeit der einzige größere Staat inmitten von winzigen Splitterstaaten, bis auch Airinku schließlich 3020 zersplitterte.

Zeittafel

Zeitleiste der Staaten der Frühzeit
Zuletzt geändert am 2.1.2016 22:53
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