Sagen- und Märchengestalten

Krive

Ein Kriv ist eine bösartige Gestalt ohne eigene Lebenszeit, also mischt er sich unter die Leute, um deren Lebenszeit zu stehlen: Wer immer einen Blick auf den Kriv wirft, verliert einen Tag des Lebens.

Zwar fügen Krive sich optisch gut ein, sie können die Gestalt aller Verwandelbaren annehmen, manchmal heißt es sogar, ihnen seien auch Tiergestalten möglich, aber man kann einen Kriv daran erkennen, dass sein Blick völlig leer ist.

Krive entstehen, wenn ein kleines Kind in einem Sturm verlorengeht. Der Kriv ist allerdings nicht das Kind, und das Kind kann auch wieder gefunden werden. In vielen Geschichten tritt der Kriv sogar als der Retter des Kindes auf. Natürlich ist es aber auch zunächst sein erstes Opfer gewesen.

Wenn man einen Kriv ertränkt, kehrt die von ihm noch nicht verbrauchte Lebenszeit wieder zu den rechtmäßigen Eigentümern zurück. Dieser Glaube ermöglichte in alten Zeiten vereinzelt, missliebige Personen ohne Klage und Verhandlung hinzurichten.

Krive kommen häufig in lavischen und kalarischen Märchen vor, auch im Reich der Marcoova wird gelegentlich von ihnen erzählt.

Merpia

Ein Merpi ist eine schattenhafte, niemals alternde Gestalt. Merpia wollen niemandem übel und schaden auch nicht, häufen sich aber dennoch dort, wo Leid geschieht, denn sie ernähren sich von Tränen.

Fast nichts kann einem Merpi gefährlich werden, selbst der Hunger nicht, er schwächt ihn nur. Allerdings wird ein hungriger Merpi mitunter leichtsinnig und ernährt sich aus Versehen von Tränen, die für ihn giftig sind: Von falschen Tränen.

Da ein toter Merpi zu Staub zerfällt, wurde in alten Zeiten mitunter ein Staubhaufen als Anlass genommen, Trauer oder Schmerz als vorgetäuscht anzunehmen. Dadurch kam es gelegentlich zu ungerechtfertigten Verurteilungen von missliebigen Personen.

Merpia kommen hauptsächlich im demerischen Volksglauben vor, aber auch in der Gegend um den See Ivene sind sie bekannt.

Wettertänzer

Wettertänzer sind schemenhafte Gestalten, die in Unwettern und Wolken leben. Sie scheuen sich vor anderen Wesen und sind daher meist nur aus dem Augenwinkel zu sehen. Gerne spielen sie aber mit Blättern und Windspielen, dass nicht alles an deren Bewegung und Geräusch allein dem Wind zuzuschreiben ist, zudem probieren sie gerne allerlei Kleidung an und verteilen dabei durchaus frischgewaschene Wäsche im Umkreis der Wäscheleinen.

Sollte es gelingen, einen Wettertänzer einzufangen, so werden seine Freunde kommen und das Gefängnis einreißen oder davontragen.

Von ihnen wird auf der gesamten Insel erzählt, ausgenommen tief im Wasser.

Zuletzt geändert am 31.12.2015 10:30
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